Radtour in Frankreich
Vorgeschichte:
Ich hatte sich für Do. 14:00 Uhr mit einem Reisebuchautor verabredet.
Wir hatten uns über einen Forumeintrag im Internet kennen gelernt und vorher noch nie gesehen.
Geplant war mit einem Reisebuchautor im Wohnmobil, einem kleinen Zelt und einem Hund nach Frankreich in Richtung Burgund zu fahren:
Wir wollten Radfahren und Wandern je nach Lust und Laune (und Wetter natürlich).
Wir fuhren um 14:30 Uhr los.
Um kurz nach 15:00 Uhr hielten wir an einem Supermarkt, um für die Reise einzukaufen, da geplant war sich unterwegs überwiegend selbst zu verpflegen und auch zu kochen.
Bert wollte noch kurz ein Telefonat auf dem Handy machen. Kurz darauf hörte ich, dass sich ein Termin geändert hatte.
Bert sagte mir dann, dass er nun nicht wie geplant erst am Dienstag, sondern am besten gleich nach Österreich fahren müsse. Er habe dort einen wichtigen Vertrag in Bezug auf den Vertrieb seiner Reisebücher zu unterschreiben.
Er stellte mich vor die Wahl, dass er mich entweder nach Colmar oder eine andere Ortschaft in der Nähe bringen könne oder zurück nach Hause.
Er kaufte noch einige Vorräte im Supermarkt ein und wir fuhren zurück nach Deutschland.
Ich war am gleichen Tag gegen 16:00 Uhr wieder zu Hause und hatte noch keine neuen Pläne für die Osterfeiertage und war sehr verärgert darüber.
Ich entschloss mich gegen Abend das beste aus der Situation zu machen.
Den Vorschlag eines mir ebenfalls unbekanntem Freizeitmaus-Interessenten lehnte ich nach einiger Überlegung ab. Er hatte vorgeschlagen sich in Müllheim zu treffen und am abend probeweise Radzufahren. Am nächsten Tag dann über Ostern mit dem Auto Richtung Frankreich und dort Radfahren.
Fr. 13.4. bis Mo. 16.4.
Colmar - Col de la Schlucht - Geradmer und zurück nach Colmar.
Die Freizeitmaus fuhr mit dem Mountainbike und einem kleinen Rucksack von Munzingen nach Frankreich zur Col de la Schlucht.
13.4.
Die Freizeitmaus fuhr von Munzingen Richtung Colmar.
Ich hatte mit Heinz ausgemacht, dass er eine Weile mit fährt und dann ab Colmar wieder nach Deutschland.
Wir fuhren Richtung Rhein nach Breisach und von dort über die Grenze.
Gegen 15:00 Uhr kamen wir an eine kleinen Fischteich vorbei, wo viele Franzosen in der Sonne saßen und angelten.
Kurz darauf erreichten wir Colmar.
Wir setzten uns gegen 15:30 bei der Schwendi Bier und Wistub außen an einen sonnigen Tisch. Es gab Flammkuchen für die Freizeitmaus und Schnipo für Heinz.
Gegen 17:00 Uhr entschloss sich Heinz, dass er zu erschöpft für eine Rückfahrt nach Hawai, wo er wohnt sei.
Wir suchten eine Unterkunft und mieteten uns bald drauf im Hotel Primo 99, rue des Ancretres im Zentrum Colmars ein.
Abends in Colmar gingen wir noch Pizza essen und in ein irisches Pub. Insgesamt war jedoch in Colmar am abend nicht viel los. Wir traffen einen jungen Franzosen, der dies bestätigte. Sein Angebot mit ihm noch was zu trinken und über den FC-Bayern München zu reden, lehnten wir jedoch ab.
Gegen 23:00 Uhr war der Tag zu Ende.
14.4.
Ich fuhr allein weiter zur Col de la Schlucht und Geradmer.
Am nächsten Tag gingen wir noch zu zweit zum Kaffeetrinken in nettes kleines Cafe.
Danach ging ich noch in eine Chocolaterie und kauft sich leckere Croissants.
Ich ging noch zur Touristinfo, da ich keine Karte hatte und erfuhr dass es zwar nicht schneien würde, aber relativ kühl sei in Münster.
Ich fuhr dann gegen 12:00 allein weiter zur Col de la Schlucht. Es ging ab Münster 18 km bergauf und davon 13 km relativ steil.
Gegen 16:45 Uhr erreichte ich Col de la Schlucht. Kurz vorher dem Ziel klatschten einige Franzosen Beifall, dass ich so viel bergauf geradelt war. Sie riefen mir hinterher "Tour de France". Ich fragt noch mal bei einer der zahlreichen Motorradgangs nach, ob dies auch wirklich die Schlucht sei.
Ich kehrte in die Col de la Schlucht Brasserie ein und aß dort Vogesenkuchen mit Preiselbeeren, wie fast alle dort und trank Milchkaffee.
Es gab eine preisgünstige Übernachtungsmöglichkeit für 155 France.
Doch ich war unschlüssig und fragte zwei deutsche Motorradfahrer wie weit es nach Geradmer sei. Es waren 15 km nur bergab und sie meinten dort sei es wärmer und schöner hier oben.
Gegen 19:00 Uhr erreichte ich Geradmer.
Ich suchte eine Stunde nach einem Hotel.
Ein deutschsprechender Franzose, den ich nach einem Hotel fragte, bot mir an:
Ich könne bei ihm in seiner 50 m2 Wohnung übernachten. Er werde im Wohnraum schlafen und ich im Schlafzimmer. Zum Abendessen habe er Suppe im Haus. Auf meine Ablehnung hin, meinte er, er sei impotent.
Ich mietete mich im Hotel "Auberge de Loirraine" ein, damit ich den Franzosen los wurde. Er bot mir aber noch an am Ostersonntag gegen 8 oder 9 Uhr mit ihm zu frühstücken. Um 10:00 Uhr müsse er in die Kirche.
Unterwegs in Geradmer am Abend:
Ich ging kurz drauf in die Ortschaft (10 Minuten Gehzeit) und war erstaunt über die Vielzahl an sehr ansprechenden Lokalen. Ich kam mir vor wie in Klein-Amerika, weil alles so schön bunt war. Ich entschied mich nach vielleicht einer Stunde für eine Mexikanische Pizzeria.
Ich bekam einen Sitzplatz mitten im Lokal an einem kleinen Tisch mit zwei gegenüberstehenden Stühlen. Ich kam mir als ich so allein da saß schon etwas einsam vor und wünschte mir etwas mehr am Rand des Geschehens zu sitzen.
Ich kam jedoch gleich mit zwei Franzosen, am Tisch neben an ins Gepräch. Sie konnten kein Deutsch. Wir redeten mit Händen und Füssen und ich versuchte mich zusätzlich mit einigen italienischen Worten verständlich zu machen. Sie schenkten mir mehrmals Wein in mein Glas nach und ich bekam auch noch zwei Schnäpse zu trinken.
Die beiden waren sehr lustig und unterhielten sich auch mit einigen anderen Leuten in der Nähe ihres Tisches.
An einem Tisch konnte jemand ein wenig Deutsch und mir wurden einige Fragen übersetzt. Eine davon war: Wollen sie mit mir schlafen. Ich überging diese Frage, sie war ja wohl nicht sehr ernst gemeint. Irgendwann verließen die beiden das Lokal, um wohl noch in einigen Bars, die Leute zu unterhalten.
Ich ging zum Hotel und legte mich schlafen. Es war schon Mitternacht.
14.4.
Es war Ostersonntag und die Vogesen und Geradmer waren eingeschneit.
Ich wachte erst gegen 10:00 Uhr auf und war deshalb zu spät dran für das Frühstück mit dem älteren Franzosen.
Ich packte meine Sachen und verlies nur zögerlich das warme Hotel. Ich frühstückte in einer Brasserie und bekam außer dem Frühstück auch zwei Französische Zeitschriften hingelegt.
Ich wollte später zum Bahnhof und von dort mit dem Zug weiterfahren.
Bei der Touristeninfo erfuhr ich dann jedoch, dass es von Geradmer aus keinen Zug gibt und bis Dienstag auch keinen Bus zum Bahnhof in Remiremont. Der zweite Bahnhof in St. Die ist ca. 30 km entfernt.
Mein Versuch nach Remiremont (13 km) zu gelangen scheiterte. Ich war innerhalb von 10 Minuten von oben bis unten durchnässt. Ich versuchte eine Weile per Anhalter weiter zu kommen. Die größeren Autos die vorbei fuhren, waren jedoch meist voll besetzt oder ich stand jeweils gerade an der falschen Stelle.
Ich kehrte noch zweimal ein um mich etwas aufzuwärmen und mein Füße waren schon so kalt, dass diese sich pelzig anfühlten.
Ich fuhr dann gegen 16:00 weiter Richtung Col de la Schlucht und schaffte es mit letzter Kraft zu einer Jugendherberge "Auberge de Jeunesse" zu gelangen, wo ich übernachtete. Ich war nun ca. 5 - 6 km von Gerademer entfernt auf einer Anhöhe von Xonrupt-Longemer.
Beim Abendessen in der Herberge saß ich an einem längeren Tisch mit einer 6-Personen-Gruppe saß. Mein Gedeck wurde in einem Abstand von drei Sitzplätzen zu der Gruppe völlig separat hingestellt. An einem anderen noch längeren Tisch saß eine größere Gruppe von Franzosen, die Kinder dabei hatten. Ich fühlte mich dann für einen Ostersonntagabend doch etwas einsam, war aber auch etwas erschöpft.
Alle um mich rum sprachen französisch und ich konnte mich mit keinem unterhalten, da ich nur wenige Worte französisch kann.
14.4.
Am Ostermontag fuhr ich nach Colmar weiter und von dort nach Hause.
Ich frühstückte wieder am gleichen Tisch. Mein Gedeck war diesmal neben den anderen Gedecken. Die anderen kamen etwas später zum Frühstück und hörte, einen elsässischen Dialekt bei einigen heraus.
Ich unterhielt mich noch kurz mit dem Herbergs-Vater. Er war sehr nett und freute sich, dass ich aus Freiburg war.
Gegen 9:00 Uhr fuhr ich los zur Col de la Schlucht, 9 Km nur bergauf. Es schneite nicht und war nur etwas kühl. Ich genoss die Fahrt und freute mich über den Schnee in den Vogesen. Hoffte das es nicht mehr schneien würde.
Ich kehrt oben an gekommen wieder in die Brasserie Col de la Schlucht ein und trank Kaffee um mich aufzuwärmen.
Gleich drauf fuhr ich weiter. Die 18 Km nach Münster waren die Hölle. Es ging zwar bergab, aber eisiger Schnee flog mir die ganze Strecke ins Gesicht. Ich fror an den Händen und Füssen bitterlich und überlegt, ab wann man wohl erfriert oder die Hände abfallen.
Kurz nach 11:00 Uhr kehrte ich mit letzter Kraft in eine einige km vor Münster in Gaststätte ein. Ich kam mir vor wie in Deutschland, die Wirtschaft wirkte ziemlich bieder, war verqualmt und es roch etwas nach altem Fett. Es war sehr interessant die Leute zu beobachten, die immer wieder rein kamen. Man redete teilweise elsässisch.
Gegen 12:00 Uhr wagte ich die Weiterfahrt. Ich fror erneut, aber nicht mehr ganz so starkt.
Kurz drauf verabredete ich mich mit Michael, dass er mich in Colmar mit dem Auto abholt und heimfährt.
Colmar war mein Ziel dass ich in jedem Fall noch mit dem Fahrrad erreichen wollte.
Gegen 13:30 Uhr fuhren wir dann innerhalb einer halben Stunde nach Munzingen.
Ich war wieder zufrieden mit mir und der Welt und freute mich, dass ich mein Osterabenteuer so gut überstanden hatte.